Beijing’s Bestreben den Einfluss von Kartellen im Online- und Technologiesektor hat erste Auswirkungen.
Eine Untersuchung der Geschäftspraktiken Alibabas durch Aufsichtsbehörden kam zu dem Schluss, dass diese Chinas Anti-Monopolgesetze verletzen. Unter anderem wurde dem Konzern vorgeworfen, dass er Händler auf seinen Plattformen daran hindert Produkte auf konzernfremden Plattformen zu verkaufen. Außerdem hätte Alibaba Daten und Algorithmen verwendet, um sich einen unangebrachten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. 

In Folge wurde der Konzern zur Zahlung eines Bußgeldes von umgerechnet 2.8 Milliarden Dollar verurteilt, was 4% des inländischen Umsatzes des Jahres 2019 entspricht. Des Weiteren muss der Konzern seine wettbewerbsschädigenden Geschäftspraktiken einstellen und der Regierung drei Jahre lang Fortschritts- und Befolgungsberichte übermitteln.

Eine wahrscheinlich weitere Folge dieser Untersuchung ist, dass Alibaba erstmals seinen Online Marktplatz Taobao als Mini-Programm bei Tencents Super-App WeChat registrieren lassen möchte. 

Taobao ist Chinas größter Online Marktplatz für Customer-to-Customer Transaktionen und ECommerce und ähnelt Ebay. Der Großteil der Transaktionen findet hier allerdings nicht über Auktionen statt, sondern über fixe Preise für neuwertige Produkte. Auktionen und der Verkauf von gebrauchten Produkten sind aber dennoch möglich. 

Dieser Schachzug ist deswegen von Bedeutung, da es sich bei Tencent um den größten Rivalen Alibabas handelt. 
Bisher hatten beide Konzerne das Prinzip eines “Walled Garden” verfolgt, d.h. sie wollten ihren Marktanteil um jeden Preis ausweiten, um Kunden möglichst lange in ihrem jeweiligen Kosmos zu halten und das Wechseln zur Konkurrenz zu erschweren und diese auszuschließen. So sind beispielsweise die meisten aufstrebenden Technologieunternehmen dazu gezwungen entweder mit Tencent oder Alibaba Geschäftsbeziehungen einzugehen, um unter anderem von deren Bezahlsystemen WeChat Pay bzw. Alipay gebrauch machen zu können. 
Die beiden Bezahlsysteme haben einen Anteil von ca. 90% am chinesischen Bezahlsystemmarkt und schließen sich gegenseitig auf ihren jeweiligen Plattformen aus - WeChat Pay kann auf Alibaba Plattformen nicht verwendet werden, gleichermaßen kann Alipay nicht auf Tencent Plattformen wie WeChat verwendet werden. 

Mit der Einführung von Taobao als Mini-Programm auf WeChat würde sich dies zum ersten mal ändern, denn dann können Kunden auf Taobao mit WeChat Pay bezahlen. Das Mini-Programm ist jedoch noch nicht fertiggestellt und darüber hinaus bedarf jedes neue Mini-Programm auf WeChat der Genehmigung von Tencent. 
Von daher gibt es noch keinen offiziellen Termin, zu dem das Bezahlen auf Taobao mit WeChat Pay möglich wird. 
Desweiteren besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass Tencent dem neuen Mini-Programm die Genehmigung nicht erteilt. 
Dies erscheint allerdings unwahrscheinlich, denn Tencent wird vermutlich alles tun, um sich einer ähnlichen Untersuchung wie Alibaba nicht unterziehen zu müssen. Vor allem da gegen Tencent ähnliche Vorwürfe im Raum stehen wie gegen Alibaba, nämlich unter anderem das kategorische Ausschließen der Konkurrenz von der eigenen Plattform, um Wettbewerb zu vermeiden. 
Was diese Öffnung für beide Konzerne bedeutet ist allerdings noch nicht absehbar. Einerseits könnte sich das Marktgleichgewicht zwischen den beiden Konzernen verschieben, andererseits könnte es den beiden Plattformen auch unverhofft im Wettbewerb mit anderen Online Marktplätzen wie Pinduoduo helfen. 
Nutzer der Bezahlsysteme können sich jedoch schon mal auf einen hoffentlich bald vereinfachten Bezahlprozess freuen.