Am 13. März hat der Nationale Volkskongress Chinas den 15. Fünfjahresplan (2026–2030) formell verabschiedet – ein umfangreiches Werk mit 62 Kapiteln, das die Entwicklung von fast einem Fünftel der Weltbevölkerung in den kommenden fünf Jahren prägen wird. Für deutsche Unternehmen mit Geschäftsinteressen in China oder mit China-Bezug ist dies nicht nur ein weiteres Strategiepapier. Es ist zugleich Beschaffungsfahrplan, Investitionsleitfaden und strategisches Signal.
Hier sind die wichtigsten Punkte.
Innovation und Selbstständigkeit: Das zentrale Leitmotiv
Wenn es ein Wort gibt, das diesen Plan definiert, dann ist es Selbstständigkeit. China setzt auf „außergewöhnliche Maßnahmen", um Durchbrüche bei Halbleitern, Industriemaschinen, fortschrittlichen Materialien, Basissoftware und Bioproduktion zu erzielen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen jährlich um mehr als 7 Prozent steigen, begleitet von einer deutlichen Erhöhung der Mittel für die Grundlagenforschung. Quantentechnologie, Gehirn-Computer-Schnittstellen, Wasserstoff- und Fusionsenergie, 6G sowie verkörperte Intelligenz werden ausdrücklich als künftige Wachstumsmotoren genannt.
Für deutsche Unternehmen in der fortgeschrittenen Fertigung, im Maschinenbau oder im Deep-Tech-Bereich signalisiert dies sowohl zunehmenden Wettbewerb als auch neue Kooperationschancen – insbesondere dort, wo China externes Know-how zur Schließung von Lücken sucht.
Die AI+-Wirtschaft: In alle Bereiche eingebettet
Künstliche Intelligenz ist in diesem Plan kein eigenständiges Kapitel, sondern zieht sich durch nahezu jeden Sektor. China hat „AI+" als formelle nationale Initiative geprägt, die Wissenschaft, Industrie, Konsum, Wohlfahrt, Governance und globale Zusammenarbeit umfasst. Von intelligenter Fertigung über KI-gestützte Gesundheitsversorgung bis hin zu intelligenter Logistik und einer vorgeschlagenen Weltorganisation für KI-Kooperation wird künstliche Intelligenz als Infrastrukturebene für die gesamte Volkswirtschaft verstanden.
Die Botschaft an deutsche Unternehmen in China lautet: Die Integration von KI in Produkte, Dienstleistungen und Marketing ist kein Differenzierungsmerkmal mehr – sie wird zunehmend zum erwarteten Standard.
Konsum und Öffnung
Der Plan legt erhebliches Gewicht auf die Stärkung des Binnenkonsums. Dienstleistungssektoren wie Gesundheitswesen, Altenpflege, Tourismus und Bildung sollen rasch ausgebaut und weiter geöffnet werden. China wirbt zudem aktiv um internationale Besucher – mit neuen Visapolitiken, einer Ausweitung des steuerfreien Einkaufs und einer eigenen Strategie zur Förderung des Inbound-Tourismus.
Gleichzeitig treiben 1,4 Milliarden Verbraucherinnen und Verbraucher mit steigenden verfügbaren Einkommen weiterhin die Nachfrage nach internationalen Produkten, Marken und Erlebnissen an. Ganz gleich, ob Sie chinesische Konsumenten im Inland oder im Ausland ansprechen: Das politische Umfeld wird unterstützender.
Grüne Transformation: Konkrete Ziele, konkretes Geld
Der Höhepunkt der CO₂-Emissionen bis 2030 bleibt als verbindliches Ziel fest verankert. Der Plan sieht eine Verdopplung der nicht-fossilen Energie innerhalb von zehn Jahren, einen einheitlichen nationalen Strommarkt, massive Modernisierungen der Netzinfrastruktur, einen Ausbau des Emissionshandels sowie Anreize für grüne Finanzierung vor. Die CO₂-Intensität soll um 17 Prozent sinken, die Energieintensität um 10 Prozent, und die PM2,5-Belastung soll unter 27 μg/m³ fallen.
Für deutsche Unternehmen in den Bereichen Energietechnologie, Umwelttechnik, grüne Chemie oder Nachhaltigkeitsberatung übersetzen sich diese Ziele unmittelbar in Beschaffungsbudgets und regulatorische Nachfrage.
Ausländische Investitionen: Willkommen – bei strategischer Passung
China verkleinert seine Negativliste für ausländische Investoren weiter. Zu den bevorzugten Bereichen zählen fortgeschrittene Fertigung, Hochtechnologie, Energieeinsparung und moderne Dienstleistungen. Ausländische Unternehmen werden ausdrücklich ermutigt, regionale Hauptsitze und F&E-Zentren aufzubauen. Die Internationalisierung des Renminbi schreitet mit neuen grenzüberschreitenden Zahlungssystemen voran. Der Schutz geistigen Eigentums wird entlang der gesamten Lieferkette gestärkt.
Die Logik dahinter ist pragmatisch: China will ausländisches Kapital, Technologie und Fachwissen – vor allem dort, wo sie mit den erklärten nationalen Prioritäten übereinstimmen.
Was sollten Sie also tun?
Lesen Sie den Plan durch die Brille Ihrer Branche. Der 15. Fünfjahresplan ist ein Beschaffungsfahrplan. Dort, wo Ihre Produkte und Dienstleistungen mit den formulierten nationalen Prioritäten übereinstimmen, werden sich Chancen ergeben.
Richten Sie Ihre China-Kommunikation entsprechend aus. Chinesische Partner und staatliche Auftraggeber achten auf Übereinstimmung mit den Prioritäten des Plans. Ihr Marketing sollte daher deren strategische Sprache sprechen.
Beobachten Sie branchenspezifische Unterpläne. Detaillierte Programme für Energie, Verkehr, digitale Wirtschaft und weitere Bereiche werden im Laufe der Jahre 2026 und 2027 mit konkreten Projektlisten und Zeitplänen veröffentlicht.
Handeln Sie jetzt, nicht später. Die Provinzregierungen setzen die nationalen Zielvorgaben bereits in lokale Beschaffungsprogramme um. Wer früh aktiv wird, hat einen Vorteil.
Chinas Fünfjahrespläne haben eine bemerkenswerte Erfolgsbilanz, wenn es darum geht, Realität zu formen. Unternehmen, die sie früh verstehen, bringen sich in die beste Ausgangsposition. Der 15. Plan ist hier keine Ausnahme.