Warum westliche Markenwerte in China oft nicht funktionieren – und was stattdessen wirkt

Viele deutsche Unternehmen kommen mit einem starken Selbstbewusstsein nach China: sitzendes Design, klares Markenversprechen, jahrzehntelange Geschichte. Und stellen fest: Der chinesische Markt reagiert kaum. Nicht weil das Produkt schlecht ist, sondern weil die Botschaft nicht ankommt. Warum ist das so?

Kulturelle Codes sind nicht universal

Markenkommunikation trägt immer kulturelle Annahmen in sich. Was in Deutschland als Zeichen von Qualität gilt – minimalistisches Design, sachliche Argumentation, Understatement – sendet in China andere Signale. Zurückhaltung wird als mangelndes Engagement gelesen. Weißraum im Design als Leere. Ein Preis, der für sich spricht, spricht in China oft gar nicht.

Das bedeutet nicht, dass deutsche Werte nicht funktionieren. Ingenieurskunst, Präzision, Langlebigkeit sind in China hoch angesehen. Aber sie müssen anders kommuniziert werden: expressiver, emotionaler, mit Storytelling, das die chinesische Lebenswelt adressiert.

Das Konzept des Mianzi: Gesicht und Status

Mianzi, das soziale Prestige, spielt in chinesischen Kaufentscheidungen eine große Rolle – größer als in Deutschland. Ein Produkt muss nicht nur gut sein, es muss den Besitzer gut aussehen lassen. Das gilt im B2C-Bereich für Luxusgüter ebenso wie im B2B für Beschaffungsentscheidungen.

Für Marken heißt das: Positionierung als Premiummarke muss aktiv kommuniziert werden. Testimonials von angesehenen Personen oder Institutionen helfen. Und Kommunikation, die das Gegenüber aufwertet, anstatt nur das eigene Produkt zu bewerben, ist wirksamer.

Transkribierung statt Übersetzung

Der Begriff, der die Arbeit am besten beschreibt, ist Transkribierung: den Markenkern nehmen, ihn in chinesische Kontexte, Bilder und Sprachfiguren übertragen. Nicht übersetzen. Übersetzung produziert fremdes Chinesisch. Transkribierung produziert Inhalte, die sich anfühlen, als wären sie für chinesische Augen und Ohren gemacht.

Ein praktisches Beispiel: Eine deutsche Möbel-Marke, die in Deutschland mit Schlichtheit und Zeitlosigkeit wirbt, könnte in China mit dem Thema Familienerbstück – Qualität, die Generationen überdauert – erfolgreicher sein. Gleiches Produkt, anderer Einstieg in die Geschichte.

Was dennoch funktioniert: die Herkunftsmarke Deutschland

Made in Germany ist in China nach wie vor ein Gütesiegel. Präzision, Zuverlässigkeit, Ingenieurskunst: diese Assoziationen sind stark und positiv. Kluges China-Marketing nutzt diesen Vorsprung aktiv, statt ihn im Hintergrund zu lassen.

Das bedeutet: Die deutsche Herkunft sichtbar machen, mit Bildern, Geschichten, Personen. Aber sie in chinesische Bedeutungswelten einbetten. Warum ist es gut, für Chinesinnen und Chinesen relevant, dass dieses Produkt aus Deutschland kommt?

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